Lehrer*Innen

Nina Hanefeld

Als  ich 2015 mitten im Referendariat steckte, hatten wir eine  Sonderveranstaltung zu verschiedenen Schulformen. Ich gebe zu, meine  Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen. Denn während es für die  meisten vom Gymnasium kommenden Referendar*innen sehr wichtig war, zu  sehen, wie vielfältig die Schulwelt eigentlich ist, hatte ich selbst an  einer Gesamtschule das Abitur gemacht und war der Meinung, dass ich  schon durchaus genug von alternativen Konzepten wusste. Wie falsch ich  lag! Denn neben verschiedenen Schulen mit kreativen, offenen und neuen  (und nicht so neuen) Konzepten stellte sich auch die Abigruppe Methodos  aus Freiburg vor. Dort lernen seit vielen Jahren Jugendliche  selbstständig aufs Abitur. Denn obwohl Hausunterricht in Deutschland  (anders als z.B. in den USA und UK) verboten ist, bietet das Gesetz doch  ein Schlupfloch, indem man sich für die Prüfung anmelden und selbst  vorbereiten kann. Ich fühlte mich sehr angesprochen – und vergaß die  Gruppe prompt wieder. 2017 hatte ich endlich mein zweites Staatsexamen  in der Tasche und fühlte doch keinerlei Berufung, meiner Leidenschaft  für das Vermitteln von Wissen in einer klassischen Schule nachzugehen.  Und dann stolperte ich bei Fudder über einen Artikel von Abinom. Die  hatten sich gegründet, als Methodos in einem Jahr nicht alle  Bewerber*innen aufnehmen konnte. Und da beschloss ich, mich zu bewerben,  obwohl ich mir wenig Hoffnung machte – und tatsächlich wurden gerade keine Lehrer*innen gesucht. Nach dem sympathischen Kennenlerngespräch verblieben  wir deswegen erstmal so, dass wir ein Prüfungstraining andenken würden,  wenn es aufs Abi zuging. Am Ende sollte es aber ganz anders kommen.  Eine Woche vor Schuljahresbeginn fragte die Gruppe spontan an, ob ich  auch Englisch unterrichten würde – das war nicht eines meiner drei  Fächer, aber dank britischer Mutter und viel Nachhilfeerfahrung traute  ich mir das zu. Der Rest hat sich dann nach und nach ergeben. Die  Deutschlehrerin hört auf? Ich suchte und fand einen Ersatz 

für  Englisch und übernahm den Deutschunterricht. Ein Jahr später hörte der  Geschichtslehrer auf  – und so unterrichte ich mittlerweile Deutsch und  Geschichte. Letztes Jahr durfte ich das erste Mal Menschen bis zum  Abitur begleiten und ich freue mich schon auf die nächste Runde!

Was  ich am meisten am Unterricht bei Abinom genieße, ist, dass für mich als  Lehrerin vieles (wenn nicht alles) wegfällt, was ich in der Schule als  energieraubend empfunden habe: Die endlosen Konferenzen, die  Organisation, Korrekturen, Elterngespräche, überfüllte Klassen mit  Menschen, die eigentlich nicht da sein wollen…

Stattdessen  kann ich mich bei Abinom ganz auf das konzentrieren, worum es  eigentlich geht: Wissen vermitteln – und zwar genau das, was fürs Abitur  relevant ist. Manchmal ist das ein bisschen traurig, weil das bedeutet,  dass es nie andere Lektüren gibt, als die, die eben vorgegeben sind.  Aber meistens ist es einfach wunderbar und die Freiheit, mich im  Unterricht mit verschiedenen Ideen und Ausrichtungen ausprobieren zu  können, empfinde ich als sehr wertvoll. Weil auch das eine Realität ist,  die vielen nicht klar ist: Am Anfang der Lehrtätigkeit macht man ganz viel zum ersten Mal, hat keine Ahnung, hat sich selbst grad erst  eingelesen, weiß nicht, was denn nun wirklich wichtig ist und verschätzt  sich regelmäßig mit den Inhalten. (Ja, auch und gerade nach dem  Referendariat.)

Bei  Abinom konnte ich all das offen ansprechend und wusste, dass ich immer  ehrliches und respektvolles Feedback bekomme, wenn etwas nicht so  klappt, wie es sinnvoll ist oder ich mir mal zu viel vorgenommen habe.  Ich hatte auch die Zeit, mich hinzusetzen und mich zu fragen, was fürs  Abi wirklich wichtig ist. Zum Beispiel, dass man versteht, was der  Bildungsplan eigentlich von einem will.